Medienzeit für Kinder: Macht Fernsehen doof?

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Medienzeiten einführen 

Kinder hängen zu viel vor der Glotze hieß es früher, jetzt lautet die elterliche Devise: "Leg langsam mal das Smartphone weg!". Auch die Angst, dass die Sprösslinge durch den vielen Medienkonsum an Intelligenz einbüßen oder gar schlechte Augen bekommen, umtreibt viele Eltern. Doch wie bekommt man die neugierige Generation weg vom Bildschirm?  

Ganz wichtig ist, dass Sie sich Eines immer wieder vor Augen führen: Sie sind mitverantwortlich für den bewussten Lernprozess im Bereich neuer Medien. Sie lieben Ihr Kind nicht weniger, nur weil Sie die Zeiten am Tablet beschränken. Je mehr Sie zusammen auf eine geregelte und auch gedrosselte Nutzung achten, desto mehr Zeit haben Sie für gemeinsame Aktivitäten. 

Flackernde Bildschirme ziehen Kinder magisch an.

Kinder werden von Bildschirmen magisch angezogen.

Empfehlungen für Medienzeiten 

Dass Fernsehen und Internet nicht doof machen, zeigt das umfassende Angebot an Bildungs-TV und Lernwebseiten. Wichtig ist allerdings, Kinder nicht zu überlasten. Denn all die bunten Bilder und Informationen müssen vom jungen Gehirn verarbeitet werden. Das führt nicht selten dazu, dass überfordete Kinder, abwesend wirken und dieses Verhalten missverstanden wird. Da man selbst manchmal nicht genau einschätzen kann, wie viel denn nun in Ordnung ist, gibt es offizielle Empfehlungen zu altersgerechten Medienzeiten. Kinder im Alter von null bis circa vier Jahren sollten am besten komplett auf Fernsehen und Co. verzichten, empfiehlt beispielsweise die Initiative SCHAU HIN! . Dabei spricht sicher nichts dagegen, abends gemeinsam mit den Kleinsten "Unser Sandmännchen" zu schauen. Allerdings nur, wenn Eltern auch das Gefühl haben, dass das Kleinkind die bunten Bilder verarbeiten kann. Ist es jedoch unruhig und schnattert viel, zwingen Sie es nicht zum Fernsehen. 

Ab vier bis inklusive sechs Jahren können Sie mit einer Zeit von ungefähr 30 Minuten täglich starten. Überlassen Sie Ihr Kind aber
nicht sich selbst, sondern begleiten Sie es. Nicht nur, dass Sie gemeinsam altersgerechte Inhalte auswählen. Sie können anschließend auch auf Fragen oder Gespräche, die Ihr Kind sucht, reagieren. 

Zwischen sieben und zehn Jahren wird eine freie Bildschirmzeit von täglich maximal 60 Minuten empfohlen. Frei bedeutet, dass diese Zeit zum Vergnügen gedacht ist. Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt Medienzeit und Digitalisierung. Achten Sie bei den größeren Kindern auf Jugendschutzeinstellungen an den Endgeräten. Das ist besonders dann wichtig, wenn Ihr Kind allein an Tablet oder PC sitzt. Halten Sie ungezwungene Gespräche über Inhalte und Interesse aber immer bei! 

Zwischen elf und zwölf Jahren können Sie das Kontingent auf ca. 90 Minuten pro Tag aufstocken. Wie in jeder Altersstufe muss dies nicht täglich eingehalten, sollte aber auch nicht überschritten werden. Ist eine tägliche Umsetzung nicht machbar, können Sie auch ein Wochenbudget festsetzen. In dieser Altersklasse sollten um die zehn Stunden auf sieben Tage gerechnet ausreichen.  

Hausaufgaben am PC sollten nicht auf die Medienzeit angerechnet werden.

Schularbeiten am PC zählen nicht in vereinbarte Medienzeiten.

Medienzeit und Digitalisierung

Nicht in allen Schulen ist die gewünschte Digitalisierung schon sehr weit vorangeschritten. Gehört Ihre allerdings dazu und Ihr Kind arbeitet während des Schultages an Tablets oder PCs, ist diese Zeit immer gesondert zu betrachten. Ziehen Sie dies nicht von der vereinbarten Bildschirmzeit zu Hause ab. Das ist die freie Nutzungszeit, die immer unabhängig von der Regularien in der Schule betrachten werden muss. Auch wenn Ihr Kind zu Hause Aufgaben am PC bearbeiten muss, zählt dies nicht in die freie Bildschirmzeit. Sie sollten aber darauf achten, dass sich die Bearbeitungszeit digitaler Aufgaben bei einem normalen Schultag in Grenzen hält. Für Erwachsene ist ein Arbeitstag am Rechner auch anstrengend. Das geht Kindern also nicht anders. 

Auch in Sachen Medienkosnum haben Eltern eine sehr wichtige Vorbildfunktion.

Eltern müssen als gutes Vorbild vorangehen und das Tablet auch mal wegräumen.

Eltern als Vorbild

Auch Eltern fällt es schwer, den Verlockungen von Smartphone und Co. zu widerstehen. Doch als Vorbilder ist es deren Aufgaben, den eigenen Konsum kritisch zu betrachten. Machen Sie das Handy tatsächlich aus oder zumindest leise, wenn der Arbeitstag vorbei ist? Spielen Sie schnell mal zwischendurch, wenn es an der Zeit ist, Belohnungen im Spiel einzusammeln? Es sind immer nur kurze Blicke, das Handy ist schnell in der Hand und wieder in der Hosentasche. Nicht schlimm? Doch Kinder nehmen all diese Aktionen wahr und vergleichen sie mit den Regeln, die für sie festgelegt wurde. So kann im schlimmsten Fall Misstrauen entstehen und die angesprochenen Zeiten werden heimlich überschritten..

Nehmen Sie Ihr Kind wie auch beim ersten Smartphone an die Hand. Begleiten Sie es auf dem Weg zu einem bewussten und sicheren Umgang mit Spielekonsolen, TV und Internet.

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