Spielzeugtrend: So spielt mein Kind nachhaltig

Die Spielzeugindustrie entdeckt den Bio-Trend. Doch ist wirklich alles nachhaltig, was nachhaltig klingt? Wir geben Tipps und Anregungen für abwechslungsreiches und nachhaltiges Spielen.
Die Spielzeugindustrie entdeckt den Bio-Trend. Doch ist wirklich alles nachhaltig, was nachhaltig klingt? Wir geben Tipps und Anregungen für abwechslungsreiches und nachhaltiges Spielen. © Design_Miss_C / Pixabay
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Strahlende Kinderaugen – beim Auspacken der Geschenke, beim Betrachten des Verpackungskartons. Für Eltern ist der Moment der Überraschung, egal ob unter dem Weihnachtsbaum, zu Ostern, zu Geburtstagen oder einfach mal so, wieder und wieder der schönste. Spielzeug ist ein boomender Markt: 2019 verdienten Hersteller allein in Deutschland um die drei Milliarden Euro, genaue Zahlen für 2020 liegen noch nicht vor – sehr viel weniger dürfte es aber nicht gewesen sein. Es gibt aber eine Kehrseite: Spielzeug besteht großteils aus Plastik, ist eingepackt in Plastik und damit alles andere als nachhaltig. Oder die Spielzeugbranche denkt mittlerweile um – nachhaltiges Spielzeug ist nicht erst seit diesem Jahr ein Mega-Trend auf einem riesigen Markt.

Die Plastikalternativen

Zugegeben: Man kommt beim Einkauf von Spielzeug für die Kleinsten heute nicht immer um Plastik herum. Es ist noch zu früh, die Branche braucht für die Produktionsumstellung noch Zeit. Dass inzwischen aber absolute Marktführer mit dem Umdenken begonnen haben, ist ein klares Zeichen. Steinehersteller LEGO etwa hat sich vorgenommen, spätestens 2030 seine Bausteine und auch die Verpackung aus einem Kunststoff herzustellen, der aus Zuckerrohr gewonnen wurde. Ein erster Testlauf, der seit 2018 im Gange ist, war erfolgreich. In dieser Anfangsphase hatte der dänische Konzern schon kleinere Büsche und Bäume aus diesem Material getestet; und ganz offenbar für gut befunden.

Unterwegs Richtung Nachhaltigkeit: Diese Lego-Elemente sind aus Kunststoff hergestellt, der aus Zuckerrohr gewonnen wurde. Foto: LEGO

Unterwegs Richtung Nachhaltigkeit: Diese LEGO-Elemente sind aus Kunststoff hergestellt, der aus Zuckerrohr gewonnen wurde. (Foto: LEGO)

Neben Zuckerrohr ist Holz natürlich die erste Plastik-Alternative und als Rohstoff für Spielzeug so neu nicht. Schon vor Jahrzehnten waren Bauklötze und anderes aus diesem Material – nicht zuletzt auch, weil er besonders geeignet ist, um ganz kleine Kinder damit spielen zu lassen. Mittlerweile gibt es zahlreiche eigene Shops, die sich speziell diesem Thema gewidmet haben – hans-natur.de ist einer davon. 50 bunte Holzbausteine sind dort für rund 26 Euro zu haben und somit deutlich teurer als als 50er-Pack Spielsteine aus Plastik, die im Web teils für unter zehn Euro zum Verkauf angeboten werden. Nachhaltigkeit kostet – und das nicht nur im Spielzeugbereich. 

Moment mal!

Die Frage, ob Spielzeug, das nicht aus Plastik ist, zwangsläufig auch viel nachhaltiger ist, wird derweil heftig debattiert. Experten hatten schon vor Jahren mitgeteilt, dass ein Rohstoff, nur weil dieser aus einer organisch nachwachsenden Quelle ist (etwa Zuckerrohr), nicht zwingend besonders gut biologisch abbaubar sei. Die neuartigen LEGO-Bausteine etwa, die aus dem aus Zuckerrohr gewonnenen Polyethylen bestehen, brauchen ebenfalls etliche Jahre, um vollständig wieder abgebaut zu sein. Hinzu kommt die Fraktion, die mahnt, dass auf den Flächen, auf denen dieser Rohstoff nun angebaut wird, auch Nahrungsmittel für die Welt wachsen könnten.

Foto: LeFox / Pixabay

Spielzeug aus Holz ist oft so robust, dass mehrere Generationen Freude daran haben können. (Foto: Pixabay/LeFox)

Die Welt ganz retten wird man vermutlich also nicht können; sämtlichen Kritikpunkten aber folgend, ist eine Lösung des Problems, schon erworbenes Spielzeug möglichst lange zu verwenden. Das kann heißen, dass man Spielzeuge von Generation zu Generation weitergibt – und in der Zwischenzeit gut verstaut im Keller aufbewahrt; oder sie weiterverkauft. Andererseits gibt es im Internet gut sortierte Second-Hand-Kinderspielzeugshops (besonders hervorgetan hat sich hier wichtelfee.at) und Apps, wie etwa Vinted, die den virtuellen Flohmarkt direkt auf dem Smartphone stattfinden lassen.

In eine ähnliche Richtung geht auch eine recht frische Aktion des Herstellers Hasbro: Der Spielzeughersteller arbeitet seit einigen Monaten an einer Idee, altes Spielzeug zu recyclen, um verwendete Rohstoffe eben nicht dem Müll zuzuführen. Um als Verbraucher an dem Programm teilzunehmen, ist aber (leider) erst einmal eine Hürde zu nehmen. Hasbro arbeitet beim Programm mit der Firma Terra Cycle zusammen. Wer seine Spielzeuge zurückgeben will, muss sich im Internet auf der Seite www.hasbrotoyrecycling.de einmalig und natürlich kostenfrei anmelden. Das ist ein guter erster Schritt zum nachhaltigen Kinderzimmer – aber eben nur ein Schritt.

Natürlich ist das generelle Kaufverhalten entscheidend: Braucht ein Kind wirklich zwölf Feuerwehrautos oder reichen auch zwei? Will man als Familie beschädigtes Spielzeug selbst reparieren oder landet alles, was eine Macke hat, sofort in der Tonne? Wie viel wird mit hergestellten Produkten gespielt und wie viel eventuell draußen in der Natur?

Natur

Denn abseits des Kindergartens gibt es viele Dinge zu entdecken. Aus Skandinavien etwa stammt die Idee des Naturkindergartens – einem Konzept, in dem die meiste Zeit und möglichst viele Aktivitäten abseits eines festen Gebäudes, sondern draußen – am besten im Wald – stattfinden. Die natürliche Umgebung, etwa der Wald, bieten schließlich genug Impulse zum Entdecken und Spielen. Das muss das neue LEGO-Spiel gar nicht zwingend ersetzen, kann aber eine Alternative sein. 

Eines der wunderbaren Waldspiele ist das Waldbild. Darin legen die Kinder zunächst einen Bilderrahmen aus Gegenständen, die sie im Wald finden. Zweige, Tannenzapfen, kleinere Steine oder ähnliches. Dann müssen sie das Bild zeichnen; ebenfalls aus Gegenständen, die sie im Wald finden. Für das Zeichnen eignen sich vor allem kleinere, dünnere Äste. Sind Sie damit fertig, kann – falls vorhanden – eine andere Kindergruppe oder ein Elternteil raten, was auf dem Bild gezeichnet wurde.

Foto: lisa_runnels / Pixabay

Aus einer Hand voll Zweige wird mit etwas Fantasie toller Spielspaß bei dem Kinder auch noch etwas über die Natur lernen. Foto: Pixabay/lisa_runnels)

Beim Spiel Piepmätze gilt es, die Aufzucht von Vogelbabys nachzustellen. Zunächst müssen Kinder ein echtes Vogelnest nachbauen und dafür Zweige oder ähnliches sammeln. Danach gilt es, die Eier, die mit Steinen nachgestellt werden können, auszubrüten. Hierfür muss immer ein Kind im Nest sitzen und "die Eier" wärmen. Ist der Nachwuchs geschlüpft, muss ein Kind immer im Nest sein und aufpassen, während ein anderes auf "Futtersuche" geht. Das Spiel eignet sich prima dafür Verständnis für das Leben anderer Lebewesen aufzubringen.

Conclusio: Die Möglichkeiten, Kinder nachhaltig spielen zu lassen, sind vielfältiger als man denkt und gehen darüber hinaus, "Bio-Spielzeug" zu kaufen. Der erste Schritt zur Nachhaltigkeit ist ein generelles Umdenken und ein Hinterfragen des eigenen Konsums. Hilfreich dabei sein kann das Web; auf Twitter gibt es immer aktuelle Tipps unter #plastikfreieskinderzimmer, auf Instagram bieten Accounts wie etwa apollolena immer wie der gute Anregungen für nachhaltige Spielideen drinnen. 

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